Nirvana (Befreiung)

„Es gibt ein Nichtgeborenes, ein Nichtgewordenes, Nichtgeschaffenes, Nichtaufgebautes. Gäbe es dies nicht, so könnte auch nicht ein Ausweg aus dem Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen, Aufgebauten erkannt werden. Da es nun aber ein Nichtgeborenes, Nichtgewordenes, Nichtgeschaffenes, Nichtaufgebautes gibt, deshalb ist ein Ausweg aus dem Geborenen Gewordenen, Geschaffenen, Aufgebauten zu erkennen.“

„Wer an etwas hängt, hat Unruhe; wer an nichts hängt, hat keine Unruhe; wo keine Unruhe ist, da ist Ruhe; wo Ruhe ist, da ist keine sinnliche Lust; wo keine sinnliche Lust ist, da gibt es kein Kommen und Gehen; wo kein Kommen und Gehen ist, da gibt es kein Entstehen und Vergehen; wo es kein Entstehen und Vergehen gibt, da ist weder diese noch jene Welt, noch was zwischen beiden liegt. Dies ist das Ende des Leidens.“

„Wo Wasser und Erde, Feuer und Luft keine Stätte finden, dort scheinen nicht die Sterne, strahlt nicht die Sonne, leuchtet nicht der Mond, dort ist aber auch keine Finsternis. Sobald der Weise sich selbst erkannt hat und, indem er (hierüber) schweigt, ein Heiliger geworden ist, ist er von Gestalt und Nichtgestalt, von Wohl und Wehe erlöst.“

„Wie die Flamme, von des Windes Gewalt verweht; verschwindet und mit keinem Wort mehr bezeichnet werden kann, so verschwindet der von seinem lebenden Leib befreite Weise und kann mit keinem Wort mehr bezeichnet werden. Für den Verschwundenen gibt es kein Maß. Das, wodurch man ihn kennzeichnete, ist nicht mehr vorhanden. Wo alle Dinge aufgehört haben, da haben auch alle Möglichkeiten des Benennens aufgehört.“

„Zwei Dingen ist diese Welt im allgemeinen ergeben: dem ,Es ist’ und dem ,Es ist nicht’. Für den aber, der in der Welt das Entstehen, der Wahrheit gemäß, in rechter Weisheit betrachtet, gibt es kein Nichtsein in der Welt, und für den, der in der Welt das Vergehen, der Wahrheit gemäß, in rechter Weisheit betrachtet, gibt es kein Sein in der Welt. Diese Welt ist alles in allem nur eine Kette von Begehren, Ergreifen, Haften: Darum ergibt sich, wer dies erkennt, nicht dem Begehren und Haften, der Neigung des Geistes zum Zugreifen und Festhalten, er haftet nicht an der Welt, versteift sich nicht auf die Ansicht, daß sein Selbst hier zu finden sei, und zweifelt nicht im geringsten daran, daß, wo etwas entsteht, nur Leiden entsteht, und wo etwas vergeht, nur Leiden vergeht. Und solche Erkenntnis kommt ihm von keinem andern als von ihm selbst. Insofern hat jemand rechte Anschauung.
Die Ansicht, daß alles sei, ist die eine Übertreibung; die Ansicht, daß alles nicht sei, ist die andere Übertreibung. Diese beiden Übertreibungen hat der Vollendete vermieden, und er verkündet die in der Mitte liegende Lehre, daß die Sankhâra durch die Unwissenheit bedingt sind, das Bewußtsein durch die Sankhâra ...; ferner, daß auf der restlosen, spurlosen Aufhebung der Unwissenheit die Aufhebung der Sankhára (Wirkkräfte) beruht ... und daß so die ganze Masse des Leidens vergeht."